Schwester Nuncia, Helene Kochanek
Helene Kochanek. Zweite Tochter in der Familie Kochanek. Sie wurde am 2. Mai 1914 in Follwark geboren, in einem Haus an der Dorfstraße – ul. Wiejska, Pfarrei Chrzumczütz – Chrząszczyce.
Im Jahr 1914 geschah in unserem Dorf, in unserer Pfarrei und in der Welt vieles, was nicht nur über ihr Leben, sondern über Leben und Tod vieler Einwohner von Follwark entschied.
Am 13. Januar 1914 wurde der junge, in Poręba bei Ruda Śląska geborene Pfarrer Henryk Kulik Pfarrer in unserer Pfarrei. Der 257. Papst, Pius X., stirbt. (Die Wurzeln von Papst Pius X. reichen nach den Forschungen von P. Henryk Kałuża SVD bis nach Folwark, die Nachforschungen dauern an. Siehe Geschichte der Pfarrei St. Antonius in Luboszyce, S. 180.) Auf den Stuhl Petri setzt sich nach dem Tod (unseres ???) Papstes Pius X. Benedikt XV. – der 258. Papst. Im August dieses Jahres bricht der Erste Weltkrieg aus. Die Kampfhandlungen gingen an Schlesien vorbei, aber 49 Einwohner von Follwark wurden zu den Waffen gerufen, 14 davon wurden verwundet und 12 gaben ihr junges Leben für Kaiser Wilhelm II.
In solchen Zeiten wurde Helene, die spätere Sr. Nuncia, geboren und wuchs auf. Schon in jungen Jahren spürte sie ihre Berufung. Sie wollte Missionarin werden. Mit 16 Jahren wurde sie am 30. Oktober 1930 als Kandidatin in St. Koloman, Stockerau (Österreich) aufgenommen. Vier Jahre lang besuchte sie das Lehrerinnen-Missionsseminar. Die Zeugnisse, die sie in dieser Zeit erhielt, bestätigen ihren Fleiß und ihre Fähigkeiten. Helene war auch künstlerisch sehr begabt, besonders gute Noten erhielt sie in Musik, Gesang, Zeichnen und Naturwissenschaften. Aus den Angaben von Herrn J. Kochanek (Schulze) wissen wir, dass sie auch Schulmeisterin im Hochsprung war.
Am 10. Oktober 1934, mitten im Herbst, trat sie mit 20 Jahren in das Kloster in Ratibor – Racibórz ein und nahm den Namen Sr. Nuncia an. Noviziat und erste Profess absolvierte sie in St. Koloman. Als junge Schwester arbeitete sie auch im Haushaltsdienst. Ihre zeichnerischen Fähigkeiten sollten an der Kunstschule Steyl vervollkommnet werden. Leider musste sie aus gesundheitlichen Gründen die Ausbildung abbrechen. Das war für sie ein schweres Erlebnis.
Das Kloster, in dem sie lebte und arbeitete. Rechts oben der Friedhof, ihre letzte Ruhestätte.
Den größten Teil ihres Lebens, über 50 Jahre, verbrachte Sr. Nuncia in Wöllersdorf und arbeitete im Kindergarten. Die Schwestern hatten in dieser Zeit viel Arbeit mit den Kindern. Sie wurde von allen sehr geschätzt und geachtet. Viel Freude bereitete ihr auch die Arbeit im Garten, besonders bei den Bienen. Sie absolvierte einen speziellen Imkerkurs, um ihr Hobby fachgerecht zu betreiben. Sie war glücklich, wenn sie den Schwestern guten Honig aus ihrem Bienenstand bringen konnte.
Anderen Freude zu bereiten – das war ihr Lebensmotto! Die Schwestern, die sie gut kannten, bezeichneten es als typisch für Nuncia, dass sie sich unermüdlich in die Arbeit für andere einbrachte und immer positiv über andere sprach. Wenn sie litt und Sorgen hatte, suchte sie Hilfe und Trost im Gebet und in der Arbeit. 1991 zog sie in das Arnoldus-Heim in St. Koloman um. Sie verrichtete noch einfache Arbeiten und klagte über ihre Beine, die ihr den Dienst versagten. Dann musste sie auf die Krankenstation umziehen und selbst die Hilfe anderer annehmen. In den letzten Jahren wurde sie immer weniger gesprächig, nur bei Besuchen von Schwestern, die sie besser kannte, lebte sie auf, war gesprächig und zufrieden. Wir danken Sr. Nuncia für ihre Treue als Dienerin des Heiligen Geistes.
Hier lebte und arbeitete sie. Hier fand sie ihre letzte Ruhestätte. R.I.P.
Sr. Nuncia, Helene Kochanek, SSpSGeboren: 02.05.1914 Follwark. Noviziat: 10.10.1934 (Ratibor) Racibórz. Erste Profess: 06.07.1937 St. Koloman, Stockerau. Ewige Profess: 08.06.1943 Dreifaltigkeitskloster Wien. Gestorben: 20.05.2003 St. Koloman, Stockerau. Beigesetzt: 22.05.2003 St. Koloman, Stockerau.
„Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.“ (Joh 14,27)